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VORWORT
Ich habe versucht, auf diesen Seiten die Umrisse des Lebens und Werkes des Malers Vincent van Gogh aufzuzeichnen. Wenn wir daran gehen, die Gestalten der alten Meister und soi gar das Gesicht des fernen Ostens zu beleben, um wieviel mehr verdient es dieser, dessen Schicksal in unsereTage hineinreicht. Jene, die die romanischen Dome und die gotischen Münster bau? ten, stehen gewaltig am Rande unserer Welt, und wir erkennen wie durch Schleier nur mühsam die Gebärde ihrer Schöpfung. Dieser aber ist Blut von unserem Blute, Nerv von unserem Nerv. Sein Werk, Werk des Einzelnen, mußte Bruchstück blei# ben. Bruchstück, das freilich in dem Chaos der zerfallenden Gestaltungen dieser Zeit wie Ganzheit, Gleichnis und Beispiel wirken mag.
Die Briefe Vincents, erschütterndstes menschliches Dokument und im Umkreis zeitgenössischen Schaffens nur den Visionen und Bekenntnissen Dostojewskis vergleichbar, geben entscheid dende Einsicht in sein Wesen und Wollen. Sie wurden als ein# zige Quelle (neben den Bildern) benutzt und, wo es zur Ver^ deutlichung notwendig schien, wörtlich angeführt. Es mußte einmal der Versuch gemacht werden, einen Teil der Bilder farbig wiederzugeben, da ihr eigentlicher Sinn ja in der Farbe, in der Buntheit beschlossen liegt. Vincents Wille war es gerade in späten Jahren, Bilder zu schaffen, die an Farben^ Wirkung den Warenhausfarbdrucken — er selbst gebraucht das Wort — ähnlich seien und an den Wänden der Matrosen^ kneipen hängen sollten.
Das Manuskript dieses Buches ist im Frühjahr 1921 niederi geschrieben worden.