Bővebb ismertető
Franz Vranitzky
Ein Jahrzehnt der Öffnung
Ein deutliches Zeichen dafür, daß eine Generation in die Jahre kommt, ist wohl der Umstand, daß Bücher über sie verfaßt werden. Noch im Vorjahr habe ich geglaubt, dieses „Schicksal" allein tragen zu müssen. Heuer allerdings folgt mir — mit schöner biologischer Regelmäßigkeit, er ist schließlich auch ein halbes Jahr jünger — Hannes Androsch. Herbert Cordt und Beppo Mauhart haben sich entschlossen, das vorliegende Buch im Jahr, in dem Hannes Androsch sein 50. Lebensjahr vollendet, herauszugeben. Dieses Vorhaben verdient schon im Voraus eine positive Zensur, sammelt es doch Beiträge über eine Zeit von mehr als einem Jahrzehnt, deren politische Inhalte man zwar aus dem sicheren Hafen der nachträglichen Beurteilung auch korrigierend kommentieren kann, im Prinzip aber nicht verneinen darf. Im weitest verstandenen politischen Sinn bedeuten die 70er Jahre, die diesbezüglich 1967 begannen, für Österreich Aufbruch, Öffnung und Erfolg, tiefgreifende Identitätsfindung im Inneren und überzeugte und überzeugende Anerkennung von außen. Hannes Androsch zählt zu den größten politischen Talenten, die unsere Zweite Republik hervorgebracht hat. Er ist nicht nur ein Produkt dieser österreichischen Nachkriegsgesellschaft, er verkörpert geradezu den Aufstieg eines Landes von einem Nachzügler unter den Ländern Europas zu einem Staat an der Spitze der Industrieländer.
Wirtschaftspolitiker, Staatsmann, Parteifunktionär, Parlamentarier, Finanzfachmann und Gesellschaftsmensch, der Geist, Wohlleben und Belesenheit miteinander verband, war er der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Er hat, wie vielleicht nur wenige im öffentlichen Leben und in seiner Partei, Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre Aufbruchsstimmung, Kompetenz und Jugend verkörpert und dabei meistens taktisches Geschick und politischen Weitblick gezeigt.