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Ludmila Kybalová - Das große Bilderlexikon der Mode [antikvár]
 
Einleitung Sicher legte der vorgeschichtliche, in einer nichtstaatlichen Gesellschaftsordnung lebende Mensch die ersten Felle an, schuf er sich eine „Garderobe", um sich vor den Unbilden der Witterung, vor Beschädigung des Körpers, besonders wohl der Geschlechtsteile -Schurz - zu sciiützen. Diese Schutzfunktion der Kleidung, ihre ,,Physis", ergänzte bereits in sehr früher Zeit eine physisch-ästhetische Funktion. Beobachtungen bei den sogenannten Naturvölkern bestätigen diese Annahme. Warum soll nicht das „Bekleidungsgerät"...
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Einleitung Sicher legte der vorgeschichtliche, in einer nichtstaatlichen Gesellschaftsordnung lebende Mensch die ersten Felle an, schuf er sich eine „Garderobe", um sich vor den Unbilden der Witterung, vor Beschädigung des Körpers, besonders wohl der Geschlechtsteile -Schurz - zu sciiützen. Diese Schutzfunktion der Kleidung, ihre ,,Physis", ergänzte bereits in sehr früher Zeit eine physisch-ästhetische Funktion. Beobachtungen bei den sogenannten Naturvölkern bestätigen diese Annahme. Warum soll nicht das „Bekleidungsgerät" genau v^ie das „Steingerät" in der Zeit der Höhlenmalerei (50 000 v. u. Z.) Objekt ästhetischer Bereicherung gewesen sein? Der berühmte französische Archäologe Breuil sagt von den vorzeitlichen steinernen Messern und Schabern: „Damit das Werkzeug nicht der Hand entgleite und eine sichere Handhabung ermöglichte, war es nötig, den zu glatten Handgriff zu verändern und Unebenheiten anzubringen; daher finden wir Einschnitte an den Rändern und mehr oder weniger tiefe Rillen in den ebenen oder gebogenen Flächen. Aber diese Einschnitte wurden nicht unregelmäßig gemacht. Der Mensch, der diese Werkzeuge herstellte, war empfänglich für die Schönheit, die aus der Regelmäßigkeit dieser Spuren entstehen konnte. Er hat sich bemüht, diese Einschnitte in regelmäßigen Abständen in voller Parallelität zueinander anzubringen. Oft hat er sie in zusammenhängende Gruppen vereint, deren Rhythmik seinem Auge angenehm war (und auch unserem Auge heute noch ist; d. V.)." Trug die vorhistorische Kleidung auch Linien, Flächen, Farben, Bilder, die mehr waren als Schmuck, die mehr bieten sollten als eine rein ästhetische Wirkung? Trug sie Inhaltwirkende Zeichen, hatte sie Formen und zusätzliche Teile, die den Träger aus der Masse der Stammesgenossen heraushoben? Wahrscheinlich ja, können wir wieder mit Blick auf ethnographische Forschungen sagen. Das „Herausheben" bezieht sich in der vorstaatlichen Gesellschaft jedoch immer nur auf Zauberer, Medizinmänner, Häuptlinge, also einzelne Stammesangehörige, die eine bestimmte, oft zeitlich begrenzte gesellschaftliche Funktion besitzen. Zeichengebende Bekleidung belastet Trägerinnen und Träger oft sehr. Das ist heute noch so! Angenehmer, bequemer und gesünder ist es, möglichst leicht bekleidet oder nackt herumzulaufen, wie es noch heute bei Stämmen Innerafrikas, ja sogar bei den Eskimos üblich ist, die in ihren Schneehütten die lockere Fellbekleidung restlos ablegen. Insgesamt gesehen war in der vorstaatlichen Gesellschaft das Herausheben einzelner aus der Masse der Gentilgenossen, also die bewußtseinsbildende Funktion, eine unwesentliche Aufgabe der Kleidung, denn die Organe der Gentilgesellschaft genossen freiwillige Anerkennung und selbstverständlichen Respekt. Das wird anders, als der Klassenstaat entsteht. Bereits auf die ersten Herrscher trifft zu, was Friedrich Engels von den Beamten, Fürsten und Feldherren der zivilisierten Staaten sagt: Sie stehen nicht mehr wie die Gen-tilvorsteher „mitten in der Gesellschaft", sie sind genötigt, „etwas vorstellen zu wollen außer und über ihr." Sie - und ihre Familien! - müssen „Staat machen", wie der Voiks-mund treffend sagt. In den Dienst dieses „etwas vorstellen zu wollen" tritt die Kleidung. Die Nebensache, „Zeichen" zur Bewußtseinsbildung der Massen zu sein, überwuchert nun oft in grotesker Weise den eigentlichen „Zweck" der Kleidung, nämlich vor Regen, Kälte, Hitze usw. zu schützen und darüber hinaus, als Vermittlerin ästhetischer Werte, Freude zu bereiten. Sie wird vielfach zu einer sehr unzweckmäßigen Hülle, die Angehörige der herrschenden ausbeutenden Klassen „monumentalisieren" soll/aus ihrem Träger eine Art „Denkmal"

Termékadatok

Cím: Das große Bilderlexikon der Mode [antikvár]
Szerző: Ludmila Kybalová , Milena Lamarová Olga Herbenová
Kiadó: VEB Verlag der Kunst
Kötés: Vászon
Méret: 160 mm x 230 mm
Ludmila Kybalová művei
Milena Lamarová művei
Olga Herbenová művei
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