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EinleitungDie heutige Medizin hat den chemischen Wahn", bemerkte der berühmte Prof. Piscbinger, Vorstand des Histologischen Institutes an der Universität Wien, des öfteren im Gespräch. Ich habe ihn damals nicht verstanden. Man wurde doch durch ein Universitätsstudium gepreßt, das nur chemische, eventuell noch chirurgische oder radiologische Behandlung des Menschen überhaupt ais Therapie anerkannte. Unsere Professoren haben uns in anerkennenswertem Eifer tausende chemische Substanzen, ihre Wirkungen, hauptsächlich ja Giftwirkungen gelehrt und wieder abgeprüft und gezeigt, wie man auf die raffinierteste Art Teile des Menschen mit dem Skalpell entfernen kann, ohne ihn womöglichst schwerst zu schädigen und was man sonst noch alles mit dem geduldigen Fleisch des Patienten tun kann, der nach meiner heutigen Sicht wirklich erstaunlich viel aushalten kann. Andere Behandlungsmöglichkeiten wurden damals von unseren Lehrern totgeschwiegen oder in drei Sätzen lächerlich gemacht, was ja vor Studenten, die demnächst beim selben Professor, der eben vorträgt, zur Prüfung erscheinen müssen, keine geistige Heldentat darstellt. Die Lacher waren ihnen sicher. Erst nach Beendigung des Studiums und nach Abschluß des gesetzlich vorgeschriebenen Spitalsdienstes ist mancher von uns damals jüngeren Ärzten dahintergekommen, daß wir eigentlich von der Heilkunde wenig oder nichts erfahren hatten. Wir mußten in Erfahrung bringen, daß unsere, getreu nach der Lehre behandelten Patienten, nicht wirklich gesund wurden oder, wenn eine Krankheit erfolgreich behandelt, also unterdrückt war, prompt die nächste auftrat. An dieser Feststellung ließ sich nicht rütteln, man konnte die modernsten Mittel wie Antibiotika, Cortisone und alle anderen modernen chemischen Wunderwaffen einsetzen, das Resultat blieb stets das gleiche, eine wirkliche Genesung der Patienten blieb aus.Was also tun, wenn die zeitgemäßen Strategien mit Chemie, Stahl oder Strahl ganz offensichtlich ungeeignet waren, die Gesundheit der Men-