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^ir, die wir stolz und glücklich die großen Tage von »& war
W 1870/71 miterleben durften, waren damals und noch lange nachher der Meinung, eine neue Epoche habe begonnen. Wir haben uns geirrt. Es war nur eine Episode. Nur ein Traum. Ein neidisches Geschick erfüllte die Sehnsucht langer Generationen und erlaubte Deutschland einen raschen und glänzenden Aufstieg, aber nur, um es von der Höhe in einen Abgrund zu schleudern, dessen ganzes Entsetzen wir uns noch zu begreifen scheuen. Für uns sind Glanz und Glück gewesen. Umgeben von den Trümmern einer sinnlos gewordenen Gegenwart, gelähmt durch den Ausblick in eine Zukunft, die nur Schrecken zu bergen scheint, blicken wir jetzt rückwärts in die Zeit vor dem Kriege, wie auf ein Eiland der Seligen, das wir durchmessen durften, in dem zu weilen uns aber nicht vergönnt war.
Darf man heute schon unternehmen diese Periode, die wir miterlebten, zu schildern? Können wir uns selbst schon historisch sehen? Hat der Abgrund, den diese vier Kriegsjahre zwischen dem Einst und dem Jetzt aufgerissen haben, uns in die Distanz zu Menschen und Dingen gebracht, die für den objektiven Betrachter notwendig ist? Wir glauben es. Denn in der Katastrophe, die das neue Deutschland von dem alten trennt, ist alles untergegangen. Zustände und Verhältnisse, Sitten und Gebräuche, die Voraussetzungen des Denkens und die Triebfedern des Handelns. So wie uns mag den Einwohnern von Pompeji und Herkulanum zumute gewesen sein, wenn sie auf den Schlackenfeldern standen, die ihre schöne und liebliche Heimat bedeckten. Es ist alles so ganz anders geworden, daß die Zeit vor dem Sommer 1914 heute schon in die Ferne gerückt ist, in der wir einst das Jahr 1848 oder den Siebenjährigen Krieg sahen. Fünfzig Jahre scheinen zwischen heute und damals zu liegen, nicht fünf. Da mag der Versuch gewagt werden, das Kulturgemälde der Modengeschichte einer vergangenen Gesellschaft, das wir in den früheren Bänden darzustellen versuchten, zu einem Abschluß zu bringen. Es ist das Schlußkapitel einer langen Entwicklung. Eine neue Weltordnung hat begonnen.
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