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Entwicklung der Hausmedizin
Was haben die Menschen eigentlich früher gemacht, wenn sie krank waren? Als das Land noch nicht flächendeckend mit Ärzten versorgt war? Als es noch keine Krankenkassen gab und ein Arztbesuch ein teurer Luxus war, den die meisten sich nicht leisten konnten? Sie behandelten sich selbst und sind nur im äußersten Notfall zum Arzt gegangen. Die Frauen waren für die Versorgung und Pflege der Kranken zuständig. Das notwendige Wissen erwarben sie von ihren Müttern und Großmüttern und erweiterten es um eigene Erfahrungen. Sie selbst gaben es wiederum an ihre Töchter weiter: traditionelle Hausmittel, seit Generationen bewährt.
Als am Ende des 19. Jahrhunderts die Medizin immer größere und ungeahntere Fortschritte machte, als die Naturwissenschaft durch ihre unglaublichen Erfolge zum Maß aller Dinge wurde, trat das überlieferte Wissen in den Hintergrund. Die Entwicklungen der pharmazeutischen Industrie und der technischen Medizin erweckten den Eindruck, die Menschheit von allen gesundheitlichen Leiden erlösen zu können. Die Hausmedizin mit ihren Kräutern, Breien und Wickeln erschien rückschrittlich und umständlich, etwas für die Alten und die »Ewiggestrigen", deren Meinung nicht mehr gefragt war.
Gleichzeitig bescherte der wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortschritt den führenden Industrienationen ein sozial eingestelltes Gesundheitssystem, das auf der einen Seite jedem Kranken eine kostenlose Behandlung gewährte, auf der anderen Seite bei Arbeitnehmern für jeden Krankheitstag ein ärztliches Attest verlangte. Die Folgen verwundern kaum. Wer sich unwohl fühlte, ging umgehend zum Arzt, wo er bekam, was er brauchte: Einige Medikamente und eine Bescheinigung für den Arbeitgeber, eine schnelle und fast kostenlose Genesung, für die der Arzt die Verantwortung übernahm.
Inzwischen hat sich einiges geändert. Das Gesundheitssystem hat sich zu einem Moloch entwickelt, dessen Kosten so hoch geworden sind, dass Einschränkungen unumgänglich wurden.