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Wer weiß, was er trinkt?Es wäre an der Zeit, daß die Differenzierung unserer bedeutenden, auch nach weitem Transport untadeligen Weingruppen zur Allgemeinbildung gehörte.Carl Zuckmayer, Was weiß die Welt vom Wein?In einem farbigen Leben und unter friedlichen Umständen habe ich alle fünf Erdteile unter den Füßen gehabt, in erregenden und öden Ländern, bei interessanten und langweiligen Menschen. Man kann nicht sagen, daß es eine Woge von Wein war, die mich um die Welt trug; meist waren es die Kabinen alter und neuer Dampfer und die langen Flügel einer braven Constellation. Meine Aufgaben waren ganz andere und viel nüchternere, als etwa die Weinkarten der Welt zu studieren und die Rebensäfte Kaliforniens, Australiens, Südafrikas oder der Kanarischen Inseln untereinander oder mit den unseren zu vergleichen. Aber wie so manches im Leben unvermutet erkannt und erfahren werden muß, so fand ich doch mancherlei Merkwürdigkeiten im Verhältnis des Menschen zum Wein, vor allem des europäischen oder aus Europa stammenden Menschen, soweit er nicht - und diese Ausnahme bedarf der Hervorhebung - auf eigener Scholle Wein baut oder in Weinbaugebieten ansässig ist.Ein vernachlässigter FreundSeit der Antike sind der Weinbau und die Weinbereitung altes europäisches Kulturgut. Sie sind es - unerreicht von der übrigen Welt - bis heute geblieben. Und sollten die abendländischen Völker eines Tages ein Symbol suchen, schreibt Rudolf Krämer-Badoni in seinem kenntnisreichen Weinbuch, das alle und alles verbindet, da ist es: die Rebe!Eine rote und eine weiße Rebe im Wappen der Vereinigten Staaten von Europa, welch tiefsinniges Gleichnis! Mögen manche noch dafür plädieren, die untere Hälfte des Wappens mit einem stilisierten Automobil zu schmücken, dann stehen die Symbole der natürlichen und der technischen Welt beieinander, der älteste und der jüngste Gefährte des europäischen Menschen, ein uralter und ein brandneuer Freund auf seinem schicksalhaften Weg durch die Geschichte.7