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FBITZI LÖW. WIENER WERKSTÄTTE
DECKCHEN IN TULLSTICKEREI
DER AUFSCHWUNG WEIBLICHER HANDARBEIT.
Es ist ein eigentümliches Merkmal unserer Zeit, daß sie einerseits unerhört Neues schafft, andererseits dazu drängt, auf alte Gepflogenheiten zurückzugreifen. So geht es im öffentlichen Leben, in der Familie und im Einzelleben. Und die Frauen werden davon ganz besonders berührt. Von ihnen wird noch auf Jahrzehnte hinaus Anspannung in der zur Kriegszeit begonnenen Richtung gefordert werden, neue Arbeitsgebiete tun sich auf, alte treten wieder vielmehr als bisher hervor. . . .
Viele Frauen fühlten sich schon über die „Handarbeit" hinausgewachsen, dünkten sich zu schade für das anspruchslose Regen der Hände, das in früheren Zeilen Pflicht und Stolz auch der klugen und vornehmen Frauen war. Nun haben wir die vergessene Kunst wieder lernen müssen. Nun galt es wieder, das Alte nach äußerster Möglichkeit erhalten; aus knappen Resten Neues schaffen. Es galt nicht nur zu stopfen, zu flicken, zu schneidern, zu stücken, sondern auch auf billige und doch geschmack-
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volle Verzierungen zu denken; durch Kunstsinn und Fleiß zu ersetzen, was der Ausschmückung an Kostbarkeit abging. Der deutschen Frau können wir nur das Zeugnis geben, daß sie die neue, alte Aufgabe glänzend gelöst hat. Wenn man, wie ich, mehrfach während des Krieges vom Auslande nach Deutschland zurückkam, fiel es auf, daß Frauen und Kinder trotz allen Mangels gut gekleidet waren. Und Einblicke in den häuslichen Betrieb verschiedener Gesellschaftsklassen haben mir gezeigt, wie erfinderisch und geduldig die Mütter an der Garderobe ihrer Lieblinge arbeiteten. — Notgedrungen wird diese Erfindungsgabe und diese Geduld noch weiter geübt werden müssen, werden Frauen, die auch zu Leistungen auf geistigen Gebieten befähigt sind, ihre Zeit dazu hergeben müssen, für ihre Kleidung und die der Ihrigen eigenhändig zu sorgen. Notgedrungen wird die weibliche Handarbeit ihre neugewonnene Bedeutungbehalten und ausbauen. Und es liegt in der Wahrscheinlichkeit der