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Plädoyer für die JagdGemessen am Alter der Erde ist es weniger als einen Wimpernschlag her - etwa 20 000 Jahre, dass es auch in Mitteleuropa weite Grasflächen, unendliche Tundren und riesige Urwälder gab. In diesen Revieren jagte der Mensch der Vorzeit, um sich Nahrung zu beschaffen. Aus dem ehemaligen Garten Eden sind vom Herrn der Welt jedoch schon lange nach seinem Willen getrimmte Kultursteppen geworden. Die Jagd aber gibt es immer noch. Von ihr allein könnten wir uns heute allerdings nicht mehr ernähren - denn in Deutschland liefern 340 ODO Jäger pro Jahr gerade mal 28 000 Tonnen Wildbret in die Küchen. Verglichen mit anderen Zahlen der Lebensmittelbranche ist das nur ein Klacks und scheinbar kaum der Mühe wert. Trotzdem ist die Jagd unverzichtbarer als je zuvor! Da große Raubtiere in unseren Breiten ausgestorben sind, würde sich zumindest das Schalenwild ohne Jäger so stark vermehren, dass es bald keine ausreichende Nahrungsgrundlage mehr hätte. Die Folgen wären Degeneration, seuchenhaftes Auftreten von Krankheiten und schließlich der Exitus ganzer Arten. Der ausgebildete und in einem schwierigen Examen auf Herz und Nieren geprüfte Waidmann spielt daher auch den Part von Bär, Wolf und Luchs. Dabei wird er jedoch vom Bundesjagdgesetz in die Pflicht genommen, das von ihm zunächst die Hege eines artenreichen, gesunden und angemessenen Wildbestandes fordert, im selben Paragraphen jedoch die Auflage macht, bei diesem Bemühen Schäden an der Land-, Forst- undFischereiwirtschaft zu vermeiden. Deshalb diktieren ihm Abschusspläne der jagdlichen Behörden, was und wie viel er irh verantwortungsbewussten und waidgerechten Umgang mit der Kreatur erlegen darf - und zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden ökologischen Gefüges manchmal auch muss. Die Jagd des 20. Jahrhunderts ist also ein öffentlicher Auftrag zur Erhaltung und zum Schutz des Wildes - und ein Garant dafür, dass unsere Nachkommen wild lebende Tiere eines Tages nicht in einer zoologischen Peepshow bestaunen müssen. Wir wären jedoch verlogene Heuchler, wenn zur Legitimation der Jagd nur diese Argumente angeführt würden. Denn da ist noch etwas, das uns in die Wälder treibt: nämlich der tief im Menschen wurzelnde Trieb, Beute machen zu wollen. Da gibt es nichts zu deuteln - so sind wir nun mal! Eine Art grüner James Bond mit der Lizenz zum Töten ist der Jäger trotzdem nicht. Auch nicht der kaltblütige Vollstrecker eines paragraphierten Auftrags. Denn Jagen bedeutet mehr als das Erlegen von Wildtieren. Der Mensch taucht ein in die Natur, versinkt in ihr, lässt sich von einer winterlichen Mondnacht verzaubern, schmeckt die jahreszeitlich unterschiedlichen Düfte des Waldes und freut sich an den Farben von Blumen und Blättern. Der empfindsame Jäger bestaunt den Sonnenaufgang, genießt das Wohlgefühl nach der Strapaze einer Bergjagd, lauscht dem Schlag des Finken an einem taunassen Morgen und dem einlullenden Schnurren der Turteltauben an heißen Sommertagen. Er betrachtet den Mückenschwarm im Gegenlicht, folgt dem gaukelnden Flug des Falters, gewinnt noch dem Rauschen des Regens, dem Murmeln des Baches und dem Flüstern des Windes in den Baumkronen etwas ab - und gibt sich nicht zuletzt dem Weben am Gespinst der eigenen Gedanken hin. Wenn es um die Jagd geht, hält es der Autor dieser Zeilen deshalb mit den trefflichen Worten des spanischen Philosophen Ortega y Gasset, der gesagt hat: Wir jagen nicht um zu töten, sondern töten um gejagt zu haben."Links: Alle heimischen Wildarten sind per Gesetz in die Obhut der Jäger gegeben. In Deutschland gibt es 340 000 Waidmänner - die verpflichtet sind, nach den Vorschriften des Bundesjagdgesetzes und den ethischen Regeln der Waidgerechtigkeit zu jagen.Rechts: Rotwild braucht als Lebensraum ausgedehnte Waldgebiete. Wenn es der Abschussplan erlaubt, kann das Jagdglück auch in Gestalt solcher Stücke winken. Verständlich, dass der Hirsch bei uns das Prädikat König der Wälder" trägt.