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Am Abend (les 24. November 1864 gießt es in Strömen und der Regen prasselt in Albi gegen die Fensterecheiben des Hôtel du Bosc. einem großen, zweistöckigen Stackpalais aus dem 17. .lahrhunderl. In diesem Haus, das den Namen seiner beiden noch darin wohnenden Großlanlen Irägl, kommt in jener Nachl Henri Toulouse-Lantrec-Monfa zur Welt.
Henris MiiUer. eine geborene Tapié de Céleyran, ist eine junge, tugendhafte und reiche Frau. Sie stammt aus einer ehrbaren und geschäflslüchligen Familie, die das schönste Gm in der ganzen Gegend um Narbonne besitzt. Ihre Vorfahren waren im 15. Jahrhundert aus halien eingewandert und hatten ihren Namen einer Familienlegende zufolge im verschneiten .\ostatal zurückgelassen. Im 17. Jahrhundert taten sie sich als Offiziere und Leibwächter des Königs hervor. und im 18. Jahrhundert wurden sie durch den Erwerb der .\mter des obersten Schatz- und Wegemeisters von Frankreich in den Adelsstand erhoben. Die Familie versteht es, ihren Reichtum mit einer angemessenen kulturellen Bildung zu verbinden. Die intelligente und willensstarke Adele glänzt in lateinischer Literatur und spricht fließend englisch - Kenntnisse, die damals hoch angesehen waren. Außerdem ist Adele eine exzellente Gastgeberin, eine vom ländlichen Großbürgertum äußerst geschätzte Eigenschaft, die sie von ihren Vorfahren geerbt hat und später an ihren Sohn Henri weitergeben wird.
Henris Vater Alphonse de Toulouse-Lautrec stammt aus der jüngeren Linie der Grafen von Toulouse und gehört zu jenem Hochadel, der die Geschichte Frankreichs entscheidend mitbestimmt hatte. Zu seinen Vorfahren zählten die Herzöge von Aquitanien, Duc de Gothic et de Septimanie, aber auch die Markgrafen der Provence und Prinzen von Beaux und Tnpolis. Ihre ausgedehnten Ländereien, die damals in ganz Europa bekannt waren, erstreckten sich vom Loiretal bis nach Spanien. Die Frauen der Grafen von Toulouse tmgen märchenhaft anmutende Namen; Mahaud von Sizilien, Elvira von Kastilien, Jeanne von England, und eriauchte Gouverneure und tapfere Ritter zieren den Stammbaum. Einige machten den Päpsten viel zu schaffen, andere lieferten dem Königshaus die Heiratskandidatinnen. Später wurden die Grafen von Toulouse als Feldherren
Vorhergehende Doppelseite: Sonniger Nachmittag unter den Kastanienbäumen von Bosc. Auch wenn die einzelnen Familienmitglieder der Toulouse-Laulrecs verschiedenartigen Beschäftigungen nachgehen, versammeln sie sich häufig um ein erfrischendes Celränk. Der junge Äristolirat: Henri de Toulouse-Laulrec-Monfa, ein lebhaftes, charmantes Kind, von seiner Familie »kleines Juwel« genannt, träumt von dem Tag, an dem er seinen Vater auf den ausgedeimlen Jagden begleiten wird.
Porträt seiner Mutter, der Gräfin Adele, von Toulouse-Lautrec 1882 gemall. Henri suchte zeitlebens bei ihr Zuflucht. In den Briefen an seine Mutter schlug er einen für seine Epoche erstaunlich freizügigen, häufig mit Anglizismen durchsetzten Ton an: »Adieu, my dear, grüßt die alten Tanten und andere Schmuckstücke unseres Stammbaums und glaubt an mich, yours Henri.«