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Düsseldorf - Panorama der NuancenStädtenamen sind oft trügerisch, besagen zuwenig oder zuviel,führen in die Irre oder ins Nichts. Düsseldorf macht keineAusnahme. Aus seinem Namen kann man wenig mehr schließen,als daß hier einst ein Dorf am Ufer eines bescheidenen Flüßchensnamens Düssel entstanden sein müsse. Genauso war es. DieDüssel ist heute noch gelegentlich zu sehen, in der Altstadteingefaßt in Beton, gefesselt, fortgedrängt, verschwunden in undunter der großen, eleganten, geschmeidigen Stadt, die ohne denbesseren Bach...
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Düsseldorf - Panorama der NuancenStädtenamen sind oft trügerisch, besagen zuwenig oder zuviel,führen in die Irre oder ins Nichts. Düsseldorf macht keineAusnahme. Aus seinem Namen kann man wenig mehr schließen,als daß hier einst ein Dorf am Ufer eines bescheidenen Flüßchensnamens Düssel entstanden sein müsse. Genauso war es. DieDüssel ist heute noch gelegentlich zu sehen, in der Altstadteingefaßt in Beton, gefesselt, fortgedrängt, verschwunden in undunter der großen, eleganten, geschmeidigen Stadt, die ohne denbesseren Bach niemals Düsseldorf hätte heißen können. Kaumjemand schenkt dem Beachtung, bis man unversehens an dieseseingefaßte städtische Rinnsal gerät, an einem Parkplatz, aufeinem Gelände ohne Wendemöglichkeit, an fast verstohlenerEcke.Die Düssel gibt nichts her. Sie fließt hier in den Rhein, gerät ihmin sein rechtes Ufer, ließ zur rechten Zeit nach und nachDüsseldorf entstehen, das Großstadt nach unserem heutigenZuschnitt erst hundert Jahre lang ist. Doch genügt der knappeZeitraum, um aus diesem Stadt-Wesen etwas werden zu lassen,das Physiognomie annahm, etwas, das sich markierte, in allerVeränderbarkeit, im veränderten Mienenspiel der städtischenPhysiognomik, in aller Empfänglichkeit und Reizbarkeit. DennDüsseldorf kann man sagen ist gewiß eine Stadt mitSensorium. Es reagiert sensibel, trotz Kohle, Stahl und monta-nem Charakter. Es zeigte rasch seinen elegant zugeschnittenenCharakter, seitdem hier das rheinisch Provinzielle überwundenwar und das Fürstliche, Residenzielle nicht vergessen wurde inBüsten und Denkmälern, in schönen Palais und Bürgerhäusern,in fürstlich Bergischer Herkunft und mit Jan Wellems reiterli-cher Opulenz und barocker Herrlichkeit, seit Murats schmale-rer Silhouette, seit dieses Napoleoniden geschwinder, kurzerAnwesenheit, der die preußische folgte.Namen haben es in sich, sagt man, und führen in die Luft, in denHimmel, der auch über Düsseldorf den Smog kennt, aber auch wenn man viel Glück hat schon die Vorstellung von Ebeneund Weite und niederländischer Flächigkeit verbreitet, eineAhnung von vielem Grün hinter dem Gesichtskreis, und vordiesem Horizont ein großräumiges Panorama, das nicht wieanderswo nach Manhattan aussieht und jener neuen Welt, diemit dem neuen Geld nach der Währungsreform in diese Stadtweder optisch noch geistig einzog. Düsseldorf erkannte sichanders. Es trug sich von der Konstitution her ohnedies anders alsgroße Orte nahebei. Man denkt an Köln und muß es sogleichwieder vergessen, weil hier überhaupt nichts zu vergleichen ist,weder die Brücken noch derselbe Fluß. Es ist tatsächlich derselbeRhein unter der Kniebrücke oder der Oberkasseler Brücke mitSchafweide und hartem, sprödem Gras, wie jener Strom, denman aus dem Kölner Hauptbahnhof in Richtung Düsseldorffahrend unter sich hat, abgelenkt freilich durch den ein fürallemal unübersehbaren Dom.Düsseldorf braucht nicht einen derartigen Blickfang. SeineAnsicht ist völlig anders gegliedert, so wie der Rhein andershindurchfließt. Eine Zeitlang könnte man meinen, der großedeutsche, der besungene Fluß habe in Höhe Düsseldorf genugmit der Schleife zu tun, die er zieht, habe überhaupt sich selberim Wasser zu spiegeln, wenn dies möglich wäre. Die Stadt hattees nicht leicht, an ihn heranzukommen, so scheint es. Einigehaben dies bemerkt. Einige Zeit hat man rechtsrheinisch undinnerstädtisch auch so gebaut, als bliebe man, auch von der Stadther, auf sich verwiesen. Bis sich Düsseldorf in diesem Jahrhun-dert ziemlich vorsichtig, jedenfalls nicht forciert zumRhein hin öffnete. Es geschah nicht ganz so elegant, wie sonstdas Elegante in dieser Stadt mit dem schönen Rückgrat (RolfBongs) sich zeigte. Aber die drei stilisierten Brücken halfen wiekaum etwas anderes. Sie verbanden nicht nur leicht, fließend mitder angeren Sitt, der anderen, der Oberkasseler Rheinseite, woder Wind her weht, in vieler Hinsicht, meteorologisch und mitden schönen Künsten. Sie holten nach, diese Brücken. Siezeigten sich in ihrem Schwung dem anspruchsvollen Fluß, der anHistorie vorbeifloß und von ihr fast aufgehalten wurde. Hier inDüsseldorf könnte auf seinem Wasser ein berühmter Filzhutgesichtet werden, der mit Kunst zu tun hat. Doch niemand hatden Träger des Hutes barhäuptig gesehen, und das Autokenn-zeichen seines Trägers am Oberkasseler Drakeplatz, Kennzei-chen eines alten Bentleys, an der Süd- oder Südwestseite besag-ten Platzes geparkt, bleibt am vorgeschriebenen Ort wie derHut auf dem Haupt des Bewegers, des Berühmten, dessenNamen auszusprechen sich erübrigt: He oppasse, düsseldor-fisch gesagt. Gemeint ist wirklich Josef Beuys, der nicht fürandere Namen stehen kann.Wer Düsseldorfs erworbene Physiognomie glätten wollte, müß-te bald aufgeben. Es liegt nicht nur Fröhlichkeit und Radschlä-gerei in der Luft, die nicht nur aus fluxus besteht, sondern ausvielerlei Materialität. Es ist nicht einfach der Geruch vonRiefkoke (Reibekuchen) oder Halve Hahn (der ein Käse ist),nicht der feine Duft der Roggenbrötchen, die man hier zärtlichRöggelchen nennt. Und Flönz mit Ölk (Blutwurst mit einerMenge Zwiebeln) ist nicht nur auf dem halben Quadratkilome-ter zwischen Heinrich-Heine-Allee und Rhein, Altstadt ge-nannt, zu verzehren, eine Gegend, wiederum berühmt durchvielerlei, worunter Modisches wie auch Altbier nur unter ande-rem angeführt werden müssen.Es geht nicht um die schnelle Ergründung des Physiognomi-schen im Gesicht der Montan- und der Musenstadt. So uner-gründlich ist es nicht, schon deshalb nicht, weil es nirgends dieFalten und Fältchen des hohen Alters gibt. Es geht allenfalls bisins beginnende achtzehnte Jahrhundert zurück, also bis auf denKurfürsten Jan Weilern oder bis zum Erbauer des SchlossesBenrath. Der rheinische Boulevard, die Königsallee, konnte nach

Termékadatok

Cím: Düsseldorf [antikvár]
Szerző: Else Rümmler Karl Krolow
Kiadó: Greven Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3774301514
Méret: 250 mm x 300 mm
Else Rümmler művei
Karl Krolow művei
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Vélemény:
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