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VORWORT
Der Studentenschnelldienst in Köln hatte mir einen Job auf einer Baustelle vermittelt. Es ging um den Aushub einer Grube für den Öltank der Andreaskirche in der Nähe des Doms. St. Andreas konnte zwar dem Dom nicht das Wasser reichen, aber die Rundbögen der Kirche und das Grab des Gelehrten Albertus Magnus haben doch einige Touristen von der Hauptattraktion abgezogen. Die Touristen der fünfziger Jahre waren meist Franzosen, Engländer oder Amerikaner. Dem Polier, also meinem Chef auf der Grube, gingen sie mit ihren Fragen gehörig auf die Nerven. Also vmrde der ohnehin für Aushubarbeiten nicht sehr geeignete Student vom Schnelldienst zum Antworten abgestellt, und die Antworten gerieten schnell zu kleinen Führungen. Das wiederum sah der Chef des Reisebüros gegenüber, und ich hatte einen neuen Job als Reiseleiter für Franzosen, Engländer und Amerikaner. Seitdem glaube ich, daß der Zufall nichts anderes ist als eine getarnte Notwendigkeit (Marie von Ebner-Eschenbach). Derm das Reisen hatte es mir immer angetan.
Mit der Zeit vrarden die Franzosen und die Engländer weniger, die Amerikaner dagegen mehr. Bald hieß mein Auftrag: »See Europe in 17 Days«, und mein Auftraggeber war ein amerikanisches Reisebüro. Das Europa, das die Amerikaner damals zu sehen bekamen, war Westeuropa: London und Brüssel, Rom und Paris, gelegentlich waren auch Lissabon oder Madrid, Athen oder Wien dabei. Auf der Nordeuropa-Fahrt - auch in 17 Tagen, länger haben die Amerikaner nun mal keinen Urlaub - ging's nach Amsterdam, Kopenhagen und Stockholm, hin und wieder auch mal ins geteilte Berlin. Am Eisemen Vorhang aber war dieses Touristen-Europa zu Ende.
Inzwischen hat die Freiheit den Vorhang zurückgezogen und den Bück freigegeben auf einen Teil des Abendlandes, der sich selbst immer als Teü Europas verstand und langsam auch von uns so verstanden vmd. Budapest und Prag, St. Petersburg und - nicht ganz so selbstverständlich -Moskau schauen in den Westen und wollen zu ihm gehören. Dieses größere Europa kann man beim besten Willen nicht mehr in 17 Tagen er-reisen, vor allem dann nicht, wenn man auch die Menschen Europas kennenlernen will und die reiselustigen Amerikaner sind in die Minderheit geraten. Die Statistik bescheiiügt uns Deutschen das größte Interesse an Europa.
Viele von Ihnen werden ihre eigene Anschauung in diesem Bildband wiederfinden, vielleicht aber auch ein bißchen mehr.
Dieter Kronzucker