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Vorwort
„Es gibt nur drei Dinge, die im Leben wichtig sind.
Das erste ist Güte. Das zweite ist Güte.
Und das dritte ist Güte."
(Henry James)
Noch vor kurzer Zeit war es so, daß jemand, der ein Buch über Emotionen bei Tieren gesucht hat, jede Menge Literatur über die sogenannten negativen Emotionen gefunden haben dürfte - d.h. Bücher über Aggression, Schmerz und Angst. Dagegen war Literatur über das, was wir die höheren Emotionen nennen - also Liebe und Mitgefühl - lange Zeit kaum oder überhaupt nicht vertreten. Mittlerweile jedoch zeigen vor allem junge Tierverhaltensforscher ein verstärktes Interesse an diesem Thema. So hat sich etwa Fran de Waals in seiner kürzlich veröffentlichten Arbeit mit dem Titel Good Natured mit Freundschaft und gegenseitiger Hilfe unter Schimpansen beschäftigt. Doch das Thema Mitgefühl ist - vor allem, wenn das Phänomen zwischen Vertretern verschiedener Arten auftritt - immer noch tabu.
Jahrhundertelang wurde weithin die Ansicht vertreten, daß kein anderes Lebewesen außer dem Menschen wirkliches Mitgefühl für einen Artgenossen aufbringen könne, geschweige denn für einen Vertreter einer anderen Spezies. Und doch gibt es immer mehr Berichte und Anekdoten über Tiere, die ein Verhalten an den Tag legen, das tatsächlich von echtem Mitgefühl geprägt zu sein scheint. Das vorliegende Buch stellt eine der ersten Sammlungen solcher Berichte und Geschichten dar. Eine der wenigen Geschichten, die mir zu Ohren gekommen sind und die nicht in diesem Buch Erwähnung finden, stammt von einem zufällig gedrehten Videofilm, auf dem ein Flußpferd zu sehen ist, das eine junge Gazelle vor einem Nil-Krokodil in Schutz nahm. Als die verletzte Gazelle versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, stellte sich das Flußpferd schützend über das junge Tier und öffnete sein riesiges Maul, um der Gazelle mit seinem warmen Atem sozusagen Kraft und neuen Lebensgeist einzuhauchen. Das