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Es stand bereits in den dämlichen Londoner Klatschzeitungen, da war der Fall noch keine drei Tage alt. Und ein Bild von ihm war auch dabei, obwohl für den Fall eigentlich die Polizei von Thames Valley zuständig war und nicht die Metropolitan Police.
Superintendent Richard Jury, ranghoher Detective bei der Metropolitan, der die Sprossen der Dienstleiter erklommen hatte, ohne seinen Rang allzu wichtig zu nehmen, stand in diesem Moment in High Wycombe in der Gerichtsmedizin und betrachtete die Leiche einer bislang noch nicht identifizierten Frau.
Das Faszinierende an der ganzen Geschichte, mutmaßte er, war nicht bloß, dass das auffallend hübsche Mädchen (oder eher: die Frau, nur machte »Glamour-Girl« sich in den Zeitungen eben viel besser) auf dem Grundstück eines Pubs vor den Toren Londons erschossen worden war, sondern auch der Umstand, dass die Polizei nach achtundvierzig Stunden immer noch nicht herausgefunden hatte, wer sie war.
Jury betrachtete die Leiche und fragte sich, wieso ihm dabei das berühmte Porträt des toten Chatterton in den Sinn kam. Dann fiel ihm ein, dass auch Millais seine Ophelia als Sterbende gemalt hatte, oder jedenfalls so, wie er sie sich im Wasser treibend vorgestellt hatte. Das war typisch für die Zeit der Präraffa-eliten, jene romantische Ära eines Rossetti, Holman Hunt und Millais: diese reiche Einbildungskraft, diese leuchtenden Farben, dieses Fasziniertsein vom Tod in der Jugend. Die Präraffaeliten hatten es wirklich mit dem frühen Sterben.
Dr. Pindrop: den Namen - man konnte die Stecknadel förmlich fallen hören - fand Jury köstlich, obwohl er überhaupt nicht