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MEINE BEMERKUNGEN ÜBER DAS RUSSISCHE THEATER
Muß einer erst von sich reden, wenn er über andere sprechen will? Braucht der anonyme Kritiker von Karamsins „Geschichte" die alte Maske des Einsiedlers von Lushniki? Muß einer sich in die finnische Einöde verkriechen, um die Deutsche Lenore mit der Schottin Ludmila und der Tschuwaschin Olga vergleichen zu können? Muß schließlich, wer die französischen Schauspieler liebt und das russische Theater haßt, unbedingt den einäugigen und einarmigen Invaliden spielen, als ob ein verlorenes Auge und ein abgerissener Arm ihm das Recht verliehen, falsch urteilen zu dürfen und nicht richtig russisch schreiben zu können? Ich denke — nein, und lege daher hier weder meine Dienstliste noch einen Geburtsschein, noch ein Verzeichnis meiner Bekannten und Freunde, noch eine Selbstverherrlichung vor. Der Leser, den ich ja gar nichts angehe, wird dadurch nicht im geringsten beleidigt sein, und wenn er nichts zu tun hat, wird er meine „Bemerkungen über das russische Theater" überfliegen, ohne sich darum zu kümmern, aus welchem Anlaß ich sie schrieb und veröffentlichte.
Das Publikum prägt die dramatischen Talente. Wer ist unser Publikum?
Vor Beginn der Oper, der Tragödie, des Balletts pflegt der junge Mann durch alle zehn Reihen des Parketts zu streichen, allen auf die Füße zu treten und sich mit allen Bekannten und Unbekannten zu unterhalten. „Wo warst du heute?" — „Bei der Sem-jonowa, bei der Sosnizkaja, bei der Kolossowa, bei der Istomina." — „Glücklicher!" — „Sie wird heute singen, spielen, tanzen. Wir werden klatschen. Wir werden sie herausrufen! Sie ist entzückend! Augen hat sie! Und Beine! Ein Talent !" — Der Vorhang geht auf. Der junge Mann und seine Freunde ziehen immer noch von Platz zu Platz, sind begeistert und klatschen Bei-