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Gervaise hatte bis zwei Uhr früh auf Lantier gewartet. Dann warf sie sich, in der leichten Nachtjacke von der scharfen Nachtluft am Fenster fröstelnd und fiebernd, mit tränennassem Gesicht quer über das Bett. Seit acht Tagen schickte er sie, sobald sie aus dem Wirtshaus „Zum zweiköpfigen Kalb" traten, wo sie gemeinsam aßen, mit den Kindern schlafen und kam erst spät in der Nacht heim; er erzählte, daß er sich nach Arbeit umsehe. Während sie an diesem Abend auf ihn wartete, glaubte sie, ihn in das Ballhaus zum „Großen Balkon" eintreten gesehen zu haben, dessen zehn Fenster einen breiten Lichtschein zwischen die schwarzen Schatten der äußeren Boulevards warfen. Etwa fünf bis sechs Schritte hinter ihm hatte sie die kleine brünette Adele, die ebenfalls in dem Wirtshaus aß, gehen sehen, mit schlenkernden Armen, als habe sie gerade seinen Arm losgelassen, damit man sie nichf zusammen unter dem hellen Schein des Eingangs sehen sollte.
Als Gervaise um fünf Uhr früh steif und mit zerschlagenen Lenden erwachte, brach sie in Tränen aus. Lantier war nicht zurückgekommen. Zum erstenmal verbrachte er die Nacht nicht zu Hause. Sie blieb auf dem Bettrand sitzen, unter dem lappigen, verschossenen Vorhang, der von der Decke herabfiel, wo er mit Haken und Bindfaden festgemacht war. Langsam ließ sie ihre tränenverschleierten Augen durch das elend möblierte Zimmer wandern, über die Nußbaumkommode, an der eine Schublade fehlte, die drei Strohstühle und einen schmutzigen Tisch, auf dem ein zerbrochener Wasserkrug stand. Man hatte für die Kinder noch ein eisernes Bett hineingestellt, das den Weg zur Kommode versperrte und zwei Drittel des Zimmers einnahm. Gervaises und Lantiers Koffer stand offen in einer Ecke und zeigte sein leeres Inneres. Ein alter Männerhut lag zwischen schmutzigen Hemden und Socken. An der Wand und auf Stuhllehnen hingen ein durchlöcherter Schal und eine verdreckte Hose, die letzten Lumpen, die die Kleiderhändler nicht mehr nehmen wollten. Mitten auf dem Kamin, zwischen zwei ungleich großen Zinnleuchtern, lag ein Stoß Pfandscheine aus dem Leihhaus, in zartem Rosaton. Es war das schöne Zimmer des Hotels, das im ersten Stock lag und dessen Fenster auf den Boulevard hinausgingen.
Die Kinder lagen indessen Seite an Seite auf demselben Kopfkissen und schliefen. Claude, der Achtjährige, hatte seine kleinen
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