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VORWORT
Am Abend des Lebens, geneigter Leser, die Aufgabe gestellt zu bekommen, die schönsten Erzählungen der deutschen Sprache in einem Volksbuch zu vereinigen, wen reizte es nicht? Wen beglückte es nicht? Welch ein herrlicher Auftrag, so dachte auch ich, ohne Besinnen, und begann unverzüglich, unter Zuhilfenahme meiner zehn Pinger aus dem Kopfe aufzuzählen, was mir gerade so einfiel em Titeln und Neunen der Meister: Der tolle Invalide von Arnim, Chamissos Peter Schlemihl, die mußten natürlich hinein, und dies und jenes durfte keinesfalls fehlen und-und . . . Gemach! Denn schon stellten sich Bedenken eia, unerwartete Hindernisse tauchten auf. Es fragte sich, was überhaupt unter einer »Erzählung« zu verstehen und warum sie der schönsten eine sei. Weiters, ob diese oder jene Geschichte nicht einen anderen Namen verdiene, eine »Novelle« richtiger heißen würde oder bereits ein »Roman«? Wir wollen nicht allzu spitzfindig sein und nicht deu-über rechten. Aber über gewisse Schwierigkeiten kommen wir nicht so leicht hinweg, über den Umfang nänüich und die Art der Stoffe. Zudem merkt der Glückliche, dem aus der Fülle der schönen Literatur zu schöpfen erlaubt ist, mit Verwunderung, deiß es geu- nicht so viel »schönste Erzählungen« gibt, um das geplante Volks-oder Hausbuch so reich und bunt wie möglich zu gestalten. Mcm denkt vor allem nicht daran, daß zu der FüUe des Schönen die ganze Weltliteratur gehört. Es geht einem ein bißchen wie dem abgedankten Soldaten in Andersens Märchen vom Feuerzeug: man wirft das Kupfer- und Sübergeld fort, um des Goldes wiUen, und vergißt womöglich das Beste: deis Feuerzeug, das einen instand setzt, durch einen Ftmkenschlag die literarischen Helfer herbeizu-befehlen.