Bővebb ismertető
1. Einleitung
Als in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 Ostberliner ungehindert mit
ihren Trabis nach Westberlin fuhren und junge Leute auf der Berliner Mauer Sekt
tranken, waren die Deutschen tatsächlich für einen Augenblick „das glücklichste
Volk der Welt", wie es ihr Kanzler Helmut Kohl sagte. Aber wie dem Rausch die
Katerstimmung, so folgte dem Enthusiasmus über die politische Einigung bald die
Ernüchterung. Von westdeutscher Seite aus betrachtet, war die ehemalige DDR ein
marodes Gebilde, das es mit viel Geld zu sanieren gilt. Und von ostdeutscher Seite
aus gesehen, wurde den Bürgern vieles genommen, was zu ihrer alltäglichen
Sicherheit und Geborgenheit gehörte: die Versorgung der Kinder im Kindergarten,
die Wohnung, der Arbeitsplatz, die gesicherte finanzielle Existenz.
Mit der plötzlichen Übernahme der sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Strukturen bekamen auch die westlichen Kommunikationsformen und
sprachlichen Verhaltensmuster Vorbildcharakter. Die Westdeutschen konnten
weiterhin sprechen und schreiben wie zuvor, die Ostdeutschen mussten, wenn sie
sich nicht auf das Leben in Subkulturen beschränken wollten, den Kommu-
nikationsgewohnheiten des Westens anpassen (Eroms 1997, 7).
Peter v. Polenz urteilt (1993, 139):
„Nach der vorübergehenden Phase spontaner, sprachkreativer Befreiung von hochgradig
ideologisierter, institutionalisierter und ritualisierter Sprache gerieten die neuen Bundes-
bürger also in eine beispiellose sprachpolitische Situation, sich sehr rasch ein bisher nur
oberflächlich rezipiertes oder imitiertes System öffentlicher Kommunikation total aneignen
zu müssen, ohne in diesen Prozess viel Eigenes einbringen zu können."
2. Neue Kommunikationsanforderungen an die Ostdeutschen
2.1 Das Verlernen alter Wörter
Auf einen Schlag waren die Wörter und Wendungen aus dem staatlichen Leben der
DDR und diejenigen aus der marxistisch-leninistischen Ideologie verpönt.
Zunächst einmal verschwanden die Bezeichnungen für die staatlichen Orga-
nisationen, aber auch die Bezeichnungen für Berufe und soziale Rollen. Beispiele:
Der Dispatcher (Kontrolleur der Zielvorgaben); der Ferienhelfer; die
Frauen-Sonderaspirantin (Stipendiatin für eine Promotion), der Kandidat
(für die SED), der Kulturobmann, der Neuerer (jmd. der/die sich in einem.