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DEUTSCH ALS PLURINATIONALE SPRACHE MIT SPRACHDIDAKTISCHEN AUSBLICKEN*1. Hinweise zu zentralen Begriffen und Terminia) 'Sprachgemeinschaft'- 'Nation'- *Staat*Im vorliegenden Zusammenhang ist die klare Unterscheidung zwischen den dreiBegriffen 'Staat', 'Sprachgemeinschaft' und 'Nation' wichtig. Staaten sind rechts-kräftig festgelegt und haben eine bestimmte politische Form (eigene Regierungusw.); Sprachgemeinschaften sind soziolinguistisch zu definieren: Es sind jeweilsdie Sprecher derselben Muttersprache - wenn man die ideologischen Konno-tationen dieses Ausdrucks vermeiden will: derselben Erstsprache", was aller-dings nicht genau dasselbe bedeutet. Die Definition von Nationen ist viel strit-tiger. Ich schlage vor, sie als politische Willensgemeinschaften zu verstehen, alsMenschengruppen, die mehrheitlich in einem gemeinsamen Staat zusammenzu-leben wünschen. Demnach waren die frühere BRD und die DDR zwar zwei ver-schiedene Staaten, gehörten aber zur gleichen Nation. Österreich ist ein selb-ständiger Staat und - wie die Volksbefragungen zeigen - eine eigenständigeNation, gehört aber zur gleichen Sprachgemeinschaft wie Deutschland. DieSchweiz gehört zu verschiedenen Sprachgemeinschaften, größerenteils zur deut-schen, bildet aber sowohl einen eigenständigen Staat als auch eine eigenständigeNation. Ich vermeide bewußt die gängigen Termini Sprachnation und Kultur-nation, da sie politisch verfänglicher sind als der Terminus Sprachgemeinschaft;denn sie suggerieren den Wunsch einer politischen Zusammengehörigkeit. Siekönnen daher von derjenigen Seite als bedrohlich empfunden werden, die aufpolitische Eigenständigkeit Wert legt. Tatsächlich wurden sie historisch auch da-zu verwendet, Anschlußbestrebungen zu legitimieren. Mit Rücksicht daraufhalteich es für unproblematischer, Österreich und Deutschland zur gleichen Sprach-gemeinschaft zu zählen als zur gleichen Sprach- oder Kulturnation. Ebenso ver-zichte ich auf den Terminus Staatsnation, da er über das Grundwort Nation denWillen zur politischen Eigenständigkeit suggeriert, der nicht gegeben sein muß,wie das Beispiel der früheren DDR zeigt; der Terminus Staat ist demgegenüberunproblematischer. Der Ausdruck Staatsnation kann aber auch umgekehrt sugge-rieren, der nationale Zusammenhalt werde nur durch die Organisationsform desStaates konstituiert und womöglich oktroyiert - ein, wie mir scheint, gerade inbezug auf Österreich bisweilen absichtlich nahegelegtes Verständnis. - Ausdiesen Gründen beschränke ich mich auf der politisch-soziologischen Ebene aufdie drei Termini Nation, Staat und Sprachgemeinschaft. Die zum Teil schwie-rigen Abgrenzungsprobleme zwischen den zugehörigen Begriffen kann ich hiernicht erörtern (vgl. Ammon 1995: 18-34).