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EMMELINE
Sie erinnern sich gewiß, gnädige Frau, der Heirat der kleinen Duval. Es wurde zwar nur einen Tag lang davon in Paris gesprochen, aber es war doch für eine gewisse Gesellschaftsklasse ein Ereignis.
Es war, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, im Jahre 1825. Die kleine Duval hatte grade mit achtzehn Jahren die Klosterschule verlassen. Sie besaß ein Einkommen von vierundzwan-zigtausend Franken. Graf Marsan, der sie als Gattin heimführte, hatte außer seinem Titel nur einige Aussicht, nach dem Tode seines Oheims den Pairstitel zu erhalten; Aussichten, welche die Julirevolution zerstörte. Im übrigen, wenig irdische Güter und die ganze Sorglosigkeit der Jugend. Man erzählt, daß er eine im dritten Stockwerk gelegene Junggesellenwohnung verließ, um Fräulein Duval zum Altar von St. Roch zu führen und um dann mit ihr zusammen eins der vornehmsten Häuser des Faubourg St. Honoré zu beziehen. Diese ungewöhnliche Verbindung, die sie scheinbar leichtsinnig eingegangen waren, gab natürlich zu einer Fülle von Gerüchten Anlaß, von denen kein einziges auf Wahrheit beruhte. Denn kein einziges war einfach genug, und man wollte für das ungewohnte mit Gewalt eine ungewöhnliche Ursache finden.
Ein paar Einzelheiten, die zum besseren Verständnis des Ganzen nötig sind, werden Ihnen zugleich eine Vorstellung von dieser Frau geben.
Als Kind ein zartes, aber auch eigensinniges und unbändiges Geschöpf, war Emmeline mit fünfzehn Jahren ein Mädchen mit einem Teint wie Milch und Blut, groß und schlank. Ihr Charakter war grade und unabhängig. Sie besaß eine köstliche Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit in Dingen, die sie nichts angingen; nur dort, wo etwas zu ihrem Herzen sprach, zeigte sie Willen. Sie kannte keinen Zwang. Stets allein in ihrem Zimmer, ließ sie sich bei der Arbeit nur von ihrer Laune leiten. Ihre Mutter, die sie kannte und mit einsichtsvoller Liebe erzog, begünstigte diese freie Beweglichkeit, die ein Ersatz für die mangelnde Leitung war. Das natürliche