Bővebb ismertető
Die Neugestaitung der Welt nach der Zeitenwende von 1989/90 bleibt das Kardinalthema der internationalen Politik. Das alte (?) realpolitische Paradigma der Welt der Staaten lenkt dabei den Blick zuerst auf die Neupositionierung einer Reihe von Lándern im internationalen Machtgefuge. Zu diesen Landern gehört - wieder einmal - Deutschland. Wie wird, wie soll sich die wiedererstarkte Macht im Zentrum des westlichen Európa verhalten? Wird sie es vermeiden können, in eine verhángnisvolle Hegemonialrolle zu geraten? Zu diesen Fragen nimmt Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt Stellung. Hinter der Frage nach der Neugestaitung der Welt steht aber auch nach wie vor der, im westlichen Selbstverstándnis verankerte, Imperativ, eine bessere Welt zu formen. Er fordert nicht nur die Sicherheit vor weiteren Kriegen, sondern impliziert auch die globale Ausbreitung der demokratischen Wohlstandsgesellschaft. Als politische Agenda drohte letzteres freilich stets zum Entwicklungshilfe-Ritual zu verkümmern. U.a. erwies sich die Fáhigkeit der westlichen Demokratien zu globaler Systemverantwortung als recht begrenzt. Daran konnte auch der sog. Brandt-Bericht nichts ándern, der vor nunmehr 15 Jahren die Entwicklung des Südens als Eigeninteresse des Nordens angemahnt hatte. Umso signifikanter ist es, dafi jetzt die amerikanische Regierung die Unterentwicklung des Südens explizit als nationales Sicherheitsrisiko definiert. So stellt der Leiter von usaid, J. Brian Atwood, im vorliegenden Heft eine neue Philosophie der amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit ganz im Geiste des Brandt-Berichtes vor. Die Befiirchtung, dafi es ein Dokument des guten Willens bleiben wird, bezieht sich nicht nur auf die langfristige Strategiefahigkeit westlicher Staaten, sondern auch auf die Entwicklungsfahigkeit des Südens. Auf ökonomischem Gebiet hat der Zweifel eine lange intellektuelle Tradition. Neuerdings rücken jedoch auch (wieder) verstárkt die Chancen demokratischer Entwicklung aufierhalb des Westens ins Blickfeld. Ernst Hillebrand prasentierte in unserer 1/1994-Ausgabe ein Argument der profunden Skepsis, was Afrika betrifft. H.C.F. Mansük weitet im vorliegenden Heft diese Skepsis auf weite Teile der Welt-Peripherie aus. Seine generalisierende These findet allerdings nur eine teilweise Bestátigung in Klaus Klennerts Gegenüberstcllung von formaler Demokratie und oligarchischer Gesellschaft in Pakistan. Vielmehr zeigt sich dort, dafi auch eine über Generationen verfestigte Kultur des Autoritarismus bemerkenswerte Tendenzen demokratischer Emanzipation hervorbringt. Dafi demokratische Partizipations-Rechte auch im Westen bislang nur im Rahmen unstrittiger kultureller Identitát volle Geltung erlangt habén und im Zugé zunehmender Multikulturalisierung auf schwierige Bewáhrungsproben zusteuern, darauf weist Hermann Kurthens und Kay M. Loseys Artikel über die amerikanische Political-Correctness-Debatte und ihre soziologischen Hintergründe hin. Er macht sichtbar, dafi mit einer ernsthaften Universalisierung des demokratischen Prinzips - unweigerlich ein Stück traditioneller westlicher Identitát weichen mufi. Dies fállt selbst jenem Land schwer, das sich am radikalsten von den Begrenzungen der alten Welt gelöst hat und als Urbild der demokratisch (und nicht ethnisch) definierten Nation gilt. Hierzu iibrigens mehr in unserer 2/1995- Ausgabe, die sich u.a. mit dem Komplex multiethnischer Staat bescháftigt. Zum Selbstverstándnis des Westens, wie es sich nach dem 2. Weltkrieg gebildet hat, und zu seinem Leitbild fiir die globale Entwicklung gehört neben der politischen Demokratie der Massenwohlstand. Dafi sich auch in dieser Beziehung ein sákularer Umbruch mit noch kaum zur Kenntnis genommenen Herausforderungen anbahnt, zeigt Kari Georg Zinns Analyse des Ubergangs von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Es wird fraglich, ob das Partízipationsversprechen des moipg 1/95 Zu diesem Heft / About this issue