Bővebb ismertető
BallettRussische Musik Sehr rhythmischer Stil Frankreich um 1920 PetruschkaMusik wie eine NähmaschineLateinisches OratoriumDissonanzenBach mit StromlinienNeoklassizismusHeidnische UrweltPsalmensymphonieSchon diese Sammlung von Assoziationen zeigt die Lebensfülle des Phänomens. Sie ließe sich leicht verdoppeln, und noch immer wäre nur ein kleiner Ausschnitt aus dem seltsamen, einzigartigen Mikrokosmos beleuchtet, den das Werk des großen russischen Künstlers in stets wechselnden Facetten spiegelt. Man versuche den Milieu-Linien zu folgen, die sich durch das Oeuvre Strawinsky ziehen. Da sind die Erinnerungen an Kindheitsjahre, manifest seit 1913 in der Exilproduktion der Trois petites Chansons, der leichten vierhändigen Stücke, der Berceuses du Chat, der Pribautki und später in der Zirkuspolka für Barnum und Baileys Elefanten. Da sind die Märchenstoffe aus russischen Bilderbüchern, der Feuervogel und der Zauberer Kastschei, der Teufel in Petruschka und in der Geschichte vom Soldaten", die sprechende Tierwelt im Andersenschen Rossignol" und im Renard" und die Symbolfiguren des Jeu de Cartes".Und dann wieder Christliches, Liturgisches, aus Weihrauch und Orthodoxie der Griechischen Kirche entstanden: Teile der Noces", das Paternoster a cappella, die Psalmensymphonie mit den Worten der Vulgata, schließlich die archaische Messe.Dazwischen: sublimierte russische Folklore im Sacre", Gassenhauer in Petruschka", Exotik im Rossignol" und den Japanischen Liedern, Groteske in der russischen Buffooper Mawra", erhabene Antike im Oedipus Rex" und der André Gidesdien Perséphone", Jazz in den beiden Ragtimes (einem für Klavier, einem für elf Mann Kammerorchester) wie dem für Woodie Herman's Tanzkapelle geschriebenen Ebony-Concerto". Und, Résumé einer vierzigjährigen Tätigkeit für die Bühne, eine Oper in den Formen des 18. Jahrhunderts: die von William Hogarth über W. H. Auden zu Strawinsky gehobene und denaturierte Geschichte vom Wüstling, den der Schattenteufel ins Irrenhaus schickt: The Rake's Progress".AATo ist das Verbindende? Welches ist der eigentliche" Strawinsky? Der impressionistisch verfeinerte Schüler Rimsky-Korsakoffs? Der synkopenfrohe, brutale Metriker heidnischer Ballett-Szenarien? Der ironische Antiquar der zwanziger Jahre mit dem Monokelblick auf Bach, Pergolesi und Lully? Der Sonaten- und Concerto-Meister der dreißiger Jahre? Der Zersetzer der Tona-lität? Der Restitutor der Kirchentöne? Der Antipode Arnold Schönbergs? Der Liebhaber Webers, Griegs und Tschaikowskys?Strawinskys Leben hat viele Stationen und Wohnsitze gekannt, genau so viele wie sein Geist. Das Elternhaus in St. Petersburg, der Landsitz in Ustilug, Rom, die kleinen Schweizer Orte am Genfer See, Paris das seine künstlerische Heimat wird und schließlich das Haus mit dem Hügelgarten und den Obstspalieren am North Wetherley Drive in Hollywood. Wo immer man dem Mann begegnete, mit ihm Rotwein oder Tee oder Cocktails trank: das Milieu formte er, nicht umgekehrt. Seine heftige, bei aller ironischen Urbanität stürmische Persönlichkeit teilte sich den Dingen, den Menschen, der Natur seiner Umgebung mit. Er duldete keinen fremden Eingriff in seine Welt. Aber diese