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1. An Körner.Weimar 5. Januar 1801. Montag.Herzlich begrüßen wir euch zum neuen Seculum und freuen uns von ganzer Seele, daß wir es alle miteinander mit Glück und Hofnung beginnen. Wir werden in diesem neuen Jahrhundert, wie ich gewiß weiß, keine herzlichere Freundschaft schließen, als die unsrige ist und mögen wir uns nur noch recht lang derselben freuen, und es erleben, sie in unsern Kindern fort gesezt zu sehen.Ich wünsche Dir Glück, daß Du Deine Umstände so gut verbeßert hast. Wenn sich Deine Arbeiten nicht zugleich merklich häufen, so ist dieser Zuwachs allerdings sehr beträchtlich; aber eine gewiße Freiheit und Müsse muß Dir bleiben, wenn Du glücklich seyn sollst, denn das philosophische und aesthetische Wesen ist ein integranter Theil Deines Wohlseyns.Ich habe das alte Jahrhundert thätig beschloßen, und meine Tragödie, ob es gleich etwas langsam damit geht, gewinnt eine gute Gestalt. Schon der Stoff erhält mich warm, ich bin mit dem ganzen Herzen dabei und es fließt auch mehr aus dem Herzen als die vorigen Stücke, wo der Verstand mit dem Stoffe kämpfen mußte.Wir haben unsre Secularische Festlichkeiten nicht ausführen können, weil sich Partheien in der Stadt erhoben und auch der Herzog den Eclat vermeiden wollte. Es ist auch nichts erfreuliches produ-ciert worden, das ich Dir mittheilen könnte. Etwas poetisches zu machen war überhaupt mein Wille nicht, es sollte bloß Leben und Bewegung in der Stadt entstehen. Am Neujahrsabend wurde die Schöpfung von Heidn aufgeführt, an der ich aber wenig Freude hatte, weil sie ein charakterloser Mischmasch ist. Dagegen hat mir Glucks Iphigenia auf Tauris einen unendlichen Genuß verschafft, noch nie hat eine Music mich so rein und schön bewegt als diese, es ist eine Welt der Harmonie, die gerad zur Seele dringt und in süßer hoher Wehmut auflößt.Dein Urtheil über Tieks Genovefa ist auch ganz das meinige; er ist eine sehr graziöse phantasiereiche und zarte Natur, nur fehlt es ihm