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EINLEITUNGDieses Buch ist das Ergebnis von fünfunddreißig Jahren archäologischer Forschungsarbeit. Es entstand unter schweren Gedanken, Sorgen und Entdeckerfreuden. Der Autor, der in tiefer Ergriffenheit viel Zeit im Bereich der Künste verbracht hatte, bezeichnet Arbeiten, die nur von der voreingenommenen Sachkenntnis des Archäologen als Kunstwerk betrachtet werden, nicht leichtfertig als Kunst. Er ist sich dessen wohl bewußt, wie wenig wir von der Vergangenheit wissen, wie viele Werke zugrunde gingen, deren Material der Zeit nicht widerstehen konnte. Was der Zufall aus der Vergangenheit in die Gegenwart gerettet hat, unterschätzt er nicht, er möchte es aber auch nicht überschätzen, auch nicht bloß deshalb, weil es alt ist. Der Autor glaubt, daß man die Vergangenheit nur dann in ihrer Wirklichkeit sehen und lieben kann, wenn es gelingt, sie in ihrer Ganzheit zu erfassen, zu erahnen, auch das, was zugrunde gegangen ist. Aus der Zeit der Völkerwanderung sind beinahe nur Schnallen, Riemenbeschläge, Ohrgehänge, Bügel, Pferdezäume, Schwerter, Tongefäße, Beinschnitzereien und ähnHche kleine Schmuck- und Gebrauchsgegenstände erhalten geblieben, die seinerzeit dem Toten ins Grab mitgegeben worden sind. Von den Dörfern der Völkerwanderung konnte wenigstens im Donau-Karpatenraum bisher nur eines entdeckt werden. Die Erschließungsarbeiten haben erst begonnen. Was wir bisher aus dieser Zeit kennen, stammt alles aus Gräbern. Wie würden wohl spätere Nachkommen über die heutige Zeit denken, wenn sie nur unsere Friedhöfe kennten? Sie würden Eheringe, verrostete Uhrwerke, metallene Zähne, möglicherweise ein Halsband oder Kreuze und Gebetbuchspangen religiöser Menschen in den Gräbern finden. Was könnten diese Fiinde über den Reichtum unseres Lebens aussagen ? Nun, sicher würden die Archäologen auch die Spuren unserer Städte, Dörfer und Betriebe finden. Vielleicht aber könnten sie sich gar nicht vorstellen, daß diese mächtigen Brücken, Betriebe, Gebäude und Laboratorien Schöpfungen derselben Menschen sind, in deren Gräbern sie nur auf bescheidene, nichtssagende Funde gestoßen sind. Höchstens die Grabmäler könnten da und dort Kunde davon geben, daß diese Menschen auch künstlerischen Schaffens in größerem Ausmaß fähig waren. Doch genug dieser skeptischen Gedanken. Eine höchst eminente Aufgabe des Archäologen ist es, aus den meist spärlichen Funden auf das zu schließen, was zerstört worden ist. Inwieweit ein solcher Rückschluß überhaupt möglich ist, bleibt fraglich. Der Forscher muß damit rechnen, daß seine Arbeit immer unvollendet bleiben wird. In ihrer ursprünglichen Vollkommenheit kann die Vergangenheit nie rekonstruiert werden. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, daß der Wissensstand