Bővebb ismertető
EinleitungDie wuchernden Müllhalden sind in Verruf geraten. Von ihren Kritikern werden sie als zivilisatorische Krebsgeschwüre diagnostiziert und als ein Symptom des allgemeinen Untergangs verstanden. Selbst die kühle Sprache der chemischen Analyseergebnisse über die verscharrten Gifte bebildert die Müllhalde heimlich mit Endzeitphantasien über eine Gesellschaft, die den Kannibalismus in der Südsee und anderswo glücklich dominiert und nun begriffen hat, daß sie selbst der Wilde wie auch ihr eigenes Opfer ist. Eine Archäologie der Müllhalde, die vorgibt, es handele sich hier um ein zu dokumentierendes Kulturgut, wird also auf Widerspruch stoßen. Und ein Historisches Museum ist in einem doppelten Sinn fragwürdig, das in seinem Zentrum im Längsschnitt die Jahresringe aus einer deutschen Müllhalde zeigt, an denen sich die Geschichte zurückverfolgen läßt bis in das Jahr 1945. Für den Besucher und Betrachter, der an den Müll der Gegenwart gewöhnt ist, sprächen die ersten Jahresschichten einer solchen Geschichtsplastik wahrscheinlich vom Armut und Mangel und von der Abwesenheit all der Dinge, die damals die Phantasie der Not noch begehrenswert gemacht hat. In dieser Plastik könnte ein einzelnes Fundstück, das Pergamentpapier, in das ein (seltenes) Butterstück aus diesen Jahren eingeschlagen war, zeigen, wie ihre Zeitgenossen keinen Rest zurückließen, indem sie mit dem Rücken eines Messers rhythmisch über die auf einem Tisch glatt ausgebreitete Innenseite des Einwickelpapiers strichen. In einem zweiten Raum dieses Phantasiemuseums, in dem es auch um Reste geht, findet der Besucher eine Vitrine, in der ein einzelnes Buch liegt, das den Titel trägt: Tausend Gramm. Dreißig neue deutsche Geschichten.Doch dieses Buch existiert seit vierzig Jahren, auch wenn es fast die ganze Zeit wie unsichtbar meist in Bibliotheken lag und sein eigendiches Leben als ein Phantom in den Literaturgeschichten führte. Dort wird es mit kritischer Wehmut als das 1949 erschie-