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EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEMATIK
„Vielleicht wäre es zu wünschen, meine Damen und Herren, daß heute in der Welt sich mehr von dieser heroischen Bereitschaft kundtäte, als tatsächlich davon noch vorhanden zu sein scheint. Was heute nottäte, wäre ein militanter Humanismus, von der Einsicht erfüllt, daß das Prinzip der Freiheit, der Duldsamkeit und des Zweifels sich nicht von einem Fanatismus, der ohne Scham und ohne Zweifel ist, ausbeuten und überrennen lassen darf; von der Einsicht, daß er das Recht nicht nur, sondern audi die Pflidit hat, sich zu wehren. Europa ist ein mit der humanistisdien Idee eng und untrennbar verbundener Begriff. Europa wird nur sein, wenn der Humanismus seine Männlichkeit entdeckt und nach der Erkenntnis handelt, daß die Fi'eiheit nicht zum Freibrief ihrer Todfeinde und ihrer Mörder werden darL — Das war es in Kürze, was zu sagen mir am Herzen lag und was in dieser Stunde und in diesem Kreise zu sagen mir wichtig schien."
Diese Worte Thomas Manns erinnern an den Aufsatz Humaniora und Humanismus (1936), auch an die ähnlich klingende Partie aus Achtung, Europa! (1935) ; entnommen sind sie jedoch einer anderen, weniger bekannten Ansprache : Der Humanismus und Europa.^ Mit „dieser Stunde" und „diesem Kreise" ist die Budapester Tagung des Comité International pour la Coopération Intellectuelle (auch als Comité Permanent des Lettres et des Arts bezeichnet) vom 8. bis 12. Juni 1936 mit ihrem internationalen Gremium und ihrer ungarischen Zuhörerschaft gemeint. Die „Stunde" und der „Kreis" bestimmten auch, was Thomas Mann „am Herzen lag". Er war damals das einzige deutsche Mitglied dieses Comité, das dem Völkerbund angehörte, sich mit Problemen der europäischen Geistesschaffenden beschäftigte und